Menü | HomeAnträge und BeschlüsseZum Geleit › vom

Zum Geleit XXXII

Fort mit der Mühsal!
oder
Womit fast alle etwas anfangen können

1) Erinnerung


,,(482) Humanität
Seele legt sie auch in den Genuß, noch Geist ins Bedürfnis,
Grazie selbst in die Kraft, noch in die Hoheit ein Herz.“

Friedrich Schiller, Gedichte aus dem Nachlaß, 1795-1805.

Schönheit ist angewandte Vernunft, die in Absichten, Gestaltung, Bewegung, in Figur und Entwicklung zu erkennen ist. Nützliches und Aufbauendes zu schaffen, konnte immer wieder gelungen. Erinnerung bilde Zukunft.

2) Gewisse Hindernisse


,,Das >Menschliche< steht hierzulande im leichten Ludergeruch der Unordnung, der Aufsässigkeit, des unkontrollierbaren Durcheinanders; der Herr Obergärtner liebt die scharfen Kanten und möchte am liebsten bis Dienstschluß alle Wolken auf Vorderwolke anfliegen lassen, bestrahlt von einer quadratischen Sonne ...“
Kurt Tucholsky, ,,Das Menschliche“, 1928:

Der konzentrierten hilfreichen Erinnerung an bessere Absichten und Ergebnisse menschlichen Wirkens (siehe Punkt 1.) tönt das Gezeter, Gesäusel und Geklingel des vermeintlichen Sachzwangs entgegen. Diese Laute kommen aus allen Ecken. Man sollte sich hier und da Ruhe ausbitten.

3) Die Richtung der Anstrengungen


,,Freilich, wenn ihr den Zweifel lobt
So lobt nicht
Das Zweifeln, das ein Verzweifeln ist!“

Bertolt Brecht, ,,Lob des Zweifels“, Gedichte 1934-1939.

Wer sich Ruhe verschafft hat, sollte zweifeln. Der Zweifel gelte vorrangig der Gegenwart (siehe Punkt 2.). Aus der sorgsam begutachteten Geschichte - mit bonus und malus - ist die Zukunft zu realisieren. Der unvermeidliche Unmut entfernt sich in Richtung neu gewonnener Handlungsfähigkeit. Manche Schriften sollten auf diesen Weg mitgenommen werden.

4) Der Wert der Heiterkeit


,,Der Heine auf dem Weinbergsweg
Hat einen goldnen Zeh
Und einen goldnen Daumen.
der Zeh tut ihm nicht weh.

Die Kinder, wenn sie steigen
aufs Knie dem Dichtersmann,
Fassen sie erst die Zehe
Und dann den Daumen an.

O deutsches Volk, erobere
Dir deiner Meister Knie.
Dann wetzt du ab die Patina
Vom Gold der Poesie.“

Peter Hacks, ,,Der Heine auf dem Weinbergsweg“, ,,Hundert Gedichte“, Eulenspiegel Verlag 2003.

Es ist nicht alles nur Kupfer, was nicht glänzt. Auch sind Glanz und Handfestigkeit kein allgegenwärtiger Gegensatz. Wahrheit bedeutet immer wieder Wegzehrung (siehe Punkt 3.).
Manches ist spielend zu erklimmen. Es darf dabei gelacht werden.

Golnar Sepehrnia, Olaf Walther
Hamburg, den 8. April 2007

Zum Flugblatt

Termin der Sitzung des Akademischen Senats

Veröffentlicht am Sonntag, den 8. April 2007, http://www.harte--zeiten.de/dokument_581.html