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Wer ist erfreut über die "Normalität"?

Reflexionen geben Auskunft

„Viele aufgeregte Debatten des vergangenen Jahrs erwecken den Eindruck, als könne es nun nur noch darum gehen, so schnell wie möglich den vorherigen Status quo wiederherzustellen – so als sei in den Schulen, den Arbeitsverhältnissen, den Künsten, den zwischenmenschlichen Beziehungen schon ein Optimum erreicht gewesen, das bloß die Pandemie unterbrochen habe. (…) Erfahrungsverleugnung und Zukunftslosigkeit sind zwei Seiten derselben Medaille. (…) Schon dass die Kategorie der ›Kompetenzen‹ der Dreh- und Angelpunkt aller gegenwärtigen Bildungskonzepte ist, verrät, dass der zentrale Fluchtpunkt bloß die Durchsetzungsfähigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft ist. Alles soll von der vertrauten Alltagserfahrung ausgehen und dann wieder in sie münden. (…)
Nur jene Fertigkeiten, Begriffe, Wertvorstellungen und Wissensfragmente sollen in der Schule eine Rolle spielen, die die Schüler dafür rüsten, sich in der Routine des bundesrepublikanischen Lebens zurechtzufinden und zu behaupten. (…) Ungehört verhallte der Vorschlag des Innsbrucker Erziehungswissenschaftlers Michael Schratz, beim Abitur im Corona-Jahr nicht die üblichen Vorgaben erfüllen zu wollen, sondern danach zu fragen, ›was die jungen Erwachsenen über die Außerkraftsetzung des herkömmlichen Schulalltags für ihr Leben gelernt haben und was nicht‹. Schratz hatte sich davon einen Impuls für eine neue Unterrichtsphilosophie erhofft, die die Schüler als Menschen ernst nimmt, die ihre eigenen Erfahrungen machen und nicht bloß mit Lehrplanstoffen zu füttern sind.“

Julia Emcke, „Die Corona-Lektionen“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 4.7.2021, S. 37.

„Bildung umfaßt eine allgemeine Kenntnis des Menschlichen; das Vermögen, sich zurückzuversetzen in die Geschichte und das Werdende mitzufühlen; eine sprachliche Kultur, die sich daraus ergibt, daß die Dinge des Intellekts als Tatsache und als Macht anerkannt werden.“
Heinrich Mann, „Verfall einer geistigen Welt“, „Weltbühne“, 6.12.1934.

Aufklärung als Prinzip und Praxis läßt erkennen, daß überzeugte respektive überzeugende Freiwilligkeit dem Zwang, gepaart mit Manipulation, als geistige und kulturelle Tatsache überlegen ist.
Bildung als im Grundsatz lebenslanges soziales Lernen
– von der Kita, über die Schule, die Hochschule, die Volkshochschule, die berufliche Fortbildung, lernendes Engagement nach der Berufstätigkeit – ist eine demokratische und humane Angelegenheit. Der Mensch denkt und lenkt vom Kopfe her. Damit ist es zur Zeit – praktisch und strukturell – nicht zum Besten bestellt.
Zwei Jahre auf- und abschwellender Lockdown haben diese (Bildungs-)Lage nicht verbessert.
Das Zurechtkommen einander gleichgültiger Individuen auf dem (Arbeits-)Markt dominiert – bei allen erkämpften Reformen – das Lehr-, Lern- und Gesellschaftsverständnis des Menschen durch alle Bildungsinstitutionen hindurch.
Die Lockdown-Isolation, auch die empfindliche Einschränkung der Grundrechte, hat diese Tatsachen eher verschärft als entschärft.
Bei allen, teilweise erfolgreichen Bemühungen, das
Ba-/Ma-System zu reformieren (Entschleunigung, mehr eigene Bestimmung und anspruchsvollere Inhaltlichkeit), die bedarfsgerechte Finanzierung der Hochschulen zu verbessern, das demokratische Engagement zu dynamisieren und den verantwortlichen gesellschaftlichen Bezug der Wissenschaften – beispielsweise mit dem aktiven Verhältnis zu den Nachhaltigkeitszielen der UNO – zu verbessern, gibt es noch viel Angenehmes, Sinnvolles und all- gemein Nützliches zu tun.
So ist es der Welt und ihrer aktiven Besserung zunehmend angemessen, den Frieden, die positive Zivilisationsentwicklung, den begründeten Beitrag der Wissenschaften mit sicherer Stimme sowie die Entfaltung mündiger Menschen (als citoyens) miteinander in Einklang zu bringen. Dieses Konzert wird sich anregend hören lassen.
Das gilt gleichfalls für die Verfaßte Studierendenschaft und die Akademische Selbstverwaltung.
Wer sich kulturell aufrichtet, kann mehr erkennen. Höhere Erkenntnis steigert die humane Wirksamkeit. Beginn: Jederzeit.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am Mittwoch, den 7. Juli 2021, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1545.html