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Nie wieder! Und: noch nicht.

Der positive Antifaschismus

„Heute vor 76 Jahren bin ich in dem kleinen mecklenburgischen Städtchen Lübz befreit worden, befreit von den amerikanischen und den sowjetischen Truppen. Ihr kennt meine Geschichte: Auf dem Marktplatz haben die Soldaten ein Hitlerbild verbrannt, alle haben gefeiert, lagen sich in den Armen – und ich habe dazu Akkordeon gespielt. Mein größter Wunsch für den heutigen Tag war, noch einmal zu erleben, wie Amerikaner und Russen sich wie damals in Lübz umarmen und küssen und gemeinsam das Ende des Krieges feiern! Den FRIEDEN feiern!
Jetzt muss ich bis zum nächsten Jahr darauf warten. Aber wir feiern den Tag trotzdem. Und ihr feiert mit uns! (…) Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! (…) Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!“

Esther Bejarano, „Wir sind da! / Meine Befreiung im Mai 1945 und meine Hoffnungen.“, Rede am 3. Mai 2021 in Hamburg am Gänsemarkt vor dem Lessing-Denkmal.

„Und dennoch, die Stunde ist groß – nicht nur für die Siegerwelt, auch für Deutschland, – die Stunde, wo der Drache zur Strecke gebracht ist, das wüste und krankhafte Ungeheuer, Nationalsozialismus genannt, verröchelt und Deutschland von dem Fluch wenigstens befreit ist, das Land Hitlers zu heißen.(…) Möge die Niederholung der Parteifahne, die aller Welt ein Ekel und Schrecken war, auch die innere Absage bedeuten an den Größenwahn, die Überheblichkeit über andere Völker, den provinziellen und weltfremdem Dünkel, dessen krassester, unleidlichster Ausdruck der Nationalsozialismus war. Möge das Streichen der Hakenkreuzflagge die wirkliche, radikale und unverbrüchliche Trennung alles deutschen Denkens und Fühlens von der nazistischen Hintertreppen-Philosophie bedeuten, ihre Abschwörung auf immer.“
Thomas Mann, „Deutsche Hörer!“, Radioansprachen aus dem Exil, 1940-1945, hier: 10. Mai 1945.

Der 8. Mai hat es verdient, ein Feiertag zu werden. Mit dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition (USA, UDSSR, Großbritannien), wesentlich im Mai 1945, waren Welt- krieg, die Massenvernichtung von Menschen, tiefster Unsinn und Gewaltherrschaft beendet worden.

Mit dieser positiven historischen Zäsur waren große Hoffnungen verknüpft, Hoffnungen auf eine friedliche, gewaltfreie, demokratische, soziale, tatsächlich lebensfreundliche und menschenwürdige bessere Welt(-Gemeinschaft).
Diese Hoffnungen fanden auch Ausdruck in der Gründung der UNO 1946 und in ihrer Charta der Menschenrechte und der Gewaltlosigkeit. Ebenso in der grundrechtlichen Fassung des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949. (Beide Grundregelwerke bedürfen der stetigen und fortgesetzten Bedachtsamkeit und Verwirklichung!)

Die AfD erreichte bei den letzten Bundestagswahlen 12,6 Prozent und steht bei den aktuellen Umfragen für die Wahl im September diesen Jahres bei ca. zehn Prozent. Hier ist jedes Prozent zu viel – zwei Weltkriege sind kein „Fliegenschiss in der Geschichte“! Brauntöne passen nicht ins Parlament, ebenso nicht in ein aufgeklärtes Bewußtsein oder in irgendeine dunkle Stube. Der Mensch ist nicht „völkisch“!

Vielmehr ist mit Nachdruck eine freudig-rationale Zivilisation zu schaffen ohne Elend, Gewalt und Kriege - mit sinnvoller Arbeit, Gesundheit, Bildung und Kultur für Alle, mit vitaler demokratischer Partizipation, frei von Hass, voll von Musik, Genuß und Tanz.
So gut wie Alle – in Arbeit, Wissenschaft, Bildung, Kunst und Kultur, in Medien und Alltag – sollten sich vermehrt dieser Gesamt-Aufgabe annehmen.

Die noch uneingelösten Hoffnungen können auf diese Weise zu globalen gesellschaftlichen Tatsachen werden. An jedem Ort. Es kommt darauf an, substantiell froh zu werden.
Kunst und Kultur sind dafür ein unverzichtbares Lebensmittel.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am Dienstag, den 11. Mai 2021, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1537.html