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Die gesamte Gesellschaft im Blick

Beseitigung des Übels statt Verlängerung

„Es fallen jetzt Verluste an, hunderttausendfach, millionenfach, die im Gewölk statistischer Berichte unsichtbar bleiben und die doch das Leben vieler Menschen machtvoll bestimmen: Verlust an Zuversicht, Verlust von Vertrauen, der Verlust an Kraft. (…)
In Deutschland wird gerade so wenig gelesen, getanzt, musiziert, gespielt wie selten zuvor. Die Liste der abgesagten Festspiele, Musik- und Kulturevents ließe sich vortragen wie eine Moritat auf ein schauerliches Jahr. (…)
Abseits finanzieller Fragen kämpft die ganze [Kultur-]Branche darum, in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft angemessen gewürdigt zu werden. (...)
Echte zwischenmenschliche Begegnungen an der Uni fehlten komplett. Es sei ›ein sehr, sehr seltsames Semester‹ gewesen. (…)
Ansonsten, sagt Æther Flachmann, würden ›viel schwarzer Humor und ein bisschen Zynismus‹ helfen, mit dem Studium umzugehen, und das Engagement außerhalb des Curriculums – etwa die Mit-arbeit an einer studentischen Zeitschrift oder das Engagement in der Politik: ›Das baut mich dann wirklich wieder auf.‹ (…)
Das Hamburger Landeskriminalamt hat in seiner Kriminalitätslage 2020 vorgerechnet, dass es im Jahresverlauf neun Prozent mehr Opfer von ›Partnerschaftsgewalt‹ gegeben habe, 5397 allein in Hamburg, mehr als drei Viertel davon Frauen. (…)
Die Volksgesundheit leidet im Lockdown, die Bewegungsarmut nimmt zu. Von gesundheitlichen Langzeitfolgen ist auszugehen. (…)
Und die geringfügig entlohnten, kurzfristig Beschäftigten erwischt es bei den Entlassungen zuerst. (…) Schadensberichte sind keine erfreuliche Lektüre. Sie bilden jedoch die notwendige Grundlage für Neuanfänge, fürs Weitermachen, für ein Lernen über gestrige Fehler, für ein Begreifen der Lage, wie sie ist. Wer nicht weiß, was zu Bruch gegangen ist, was angeknackst wirkt, was repariert werden muß, beginnt die Zukunft auf dem falschen Fuß.“

AutorInnenkollektiv, „So geht es uns“ (Titelgeschichte), „SPIEGEL“ Nr. 9/27.2.2021, S. 8-16.

„Vielleicht sollte man gerade Hamburgs Bürgermeister an den Satz seines Vorbildes, des Arztes Rudolf Virchow [1821-1902], erinnern: ›Bildung, Wohlstand und Freiheit sind die einzigen Garantien für eine dauerhafte Volksgesundheit‹.“
Matthias Iken, „Corona-Politik in Hamburg: Ohne Maß und Mitte“, „Hamburger Abendblatt“, 1.3.2021 (Leitartikel).

In der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO, World Health Organisation) von 1946 heißt es gar: „Die Gesundheit ist ein Zu-stand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“.

Diese positive Umfassenheit menschlicher als gesellschaftlicher Existenz ist auch im Grundgesetz gespiegelt: durch die Menschenwürde (Artikel 1), die Grundrechte (Artikel 1-19), das Gebot des demokratischen und sozialen Rechtsstaates (Artikel 20) sowie die eindeutige Aussage, daß in keinem Falle ein Grundrecht in seinem Wesens-gehalt angetastet werden dürfe (Artikel 19, Satz 2).

Jeder einzelne Mensch als gesellschaftliches, soziales, demokratisches, politisches und persönliches Wesen mag sich weitgehend darin wiederfinden und seine garantierten Möglichkeiten grundrechtlich kodifiziert sehen und erkennen.

Die gegenwärtige Realität ist eine andere und läßt zu kritisieren und dringend zu verändern übrig.

Allein die Politik der Privatisierung, Kommerzialisierung und Reduzierung im Gesundheitsbereich hat zu einer starken Verminderung von Krankenbetten und Krankenhäusern geführt. Waren 1991 noch 661.000 Betten vorhanden, ist ihre Zahl 2018 auf 498.000 gesunken. Die Anzahl der Kliniken wurde in diesem Zeitraum von 2.411 auf 1.925 reduziert, was einem Rückgang von 25 Prozent entspricht. Selbst im Pandemiejahr 2020 wurden noch 20 Krankenhäuser geschlossen. Ein Ende dieser negativen Tendenz ist nicht in Sicht, der politisch geschaffene Mangel ist keiner Rede oder Änderung durch die Verantwortlichen wert.

Stattdessen wird der Lockdown, die „Fahrt auf Sicht“, ohne ein absehbares Ende fortgesetzt; in Hamburg die Maskenpflicht (an Alster, Elbe und in den Parks) symbolgeladen verschärft und mit einem Hubschrauber überwacht – ein Jugendlicher mittels Streifenwagen über die Wiese gejagt.
Eine aufgeklärte Politik sieht anders aus.

AHA plus L, forcierte Impfungen, besonderer Schutz der Gefährdeten, Hygienekonzepte für Bildung, Kultur und Einzelhandel, der qualitative und quantitative Aufbau des Gesundheitssystems sollten angegangen werden – so ist die Öffnung der Gesellschaft wieder (auf neue Weise) möglich.

Es gibt (dann) viel Gutes zu tun. Frieden, Antifaschismus und die Bewältigung der Klimakrise gehören gewiß dazu. Mit Brecht gesprochen:

„4
Wer, Verlorener, wird es wagen?
Wer sein Elend nicht mehr tragen
Kann, muß sich zu jenen schlagen
Die aus Not schon dafür sorgen
Daß es heute heißt und nicht morgen.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.“

Bertolt Brecht, „Keiner oder alle“,
„Svendborger Gedichte“, 1939.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am Mittwoch, den 3. März 2021, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1527.html