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Schon jetzt: Eine soziale Perspektive!

Strukturelle Probleme sind akut zu lösen

„Menschen, denen es vor Ausbruch der Corona-Pandemie schon schlecht ging, geht es jetzt noch schlechter. So ungefähr lautete das Fazit des Verteilungsberichts 2020, den das gewerkschaftsnahe
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) vergangene Woche der Öffentlichkeit vorstellte. ›Die Einkommen des untersten Dezils blieben 2017 noch unter denen von 2010‹, heißt es in dem Bericht. (...) Kurz: In der Konkurrenzgesellschaft haben potenziell benachteiligte Menschen stärker zu leiden.“

Sabine Nuss, „Die Profiteure lächeln“, „der Freitag“, Nr. 48/26.11.2020, S. 6.

„Lux: Wir haben in unserem Brief [https://tinyurl.com/Kulturbrief] sehr deutlich daran erinnert, dass Kunst und Kultur bei den Grundrechten der Verfassung zu verorten sind. Im aktuellen Beschlusstext der Kanzlerin ist die Kunst nun – buchstäblich in allerletzter Minute – eine eigene Kategorie, deren Schließung einer
besonderen Begründung bedarf! Ein großer Erfolg, den ich mit unserem Brief in Zusammenhang bringe! Nutzt aktuell natürlich nichts, weil der Schutz des Lebens zurecht höher steht. Gilt aber auch im Verhältnis zu Skiliften. (…)
Deuflhard: Aber ich denke, es reicht nicht aus, dass wir uns nur um unsere Kunstorte kümmern, während Gesundheitsämter und Krankenhäuser an die Belastungsgrenze kommen und Menschen in vielen Branchen ihren Job verlieren. Wir müssen uns natürlich auch künstlerisch mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Was passiert in der Welt, was passiert in Flüchtlingslagern, wo es ja auch Corona gibt, was passiert in den USA, wo Trump auf den letzten Metern Gesetze so verankern will, dass man sie nicht mehr zurückdrehen kann. (…) Wenn ich Theater im Stream anschaue, ist es für mich mehr wie Querlesen. Ich verschaffe mir einen Überblick, sehe mir Vorstellungen auch nicht immer komplett an. Im ›richtigen‹ Theater würde ich nicht einfach früher rausgehen.“

Thalia-Theater-Chef Joachim Lux und Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“, 27.11.2020, S. 20.

„Aber dass die Angst eine Drehbewegung macht und sich irgendwann wieder in Mut – auch den Mut der Erkenntnis – umwandeln kann, das entspricht meiner Beobachtung bei vielen Menschen.“
Der Schriftsteller Alexander Kluge im Gespräch mit dem „SPIEGEL“ Kulturmagazin „Bestseller“, Winter 2020, S. 4-7, hier S. 6.

Es ist, wie es ist: Die meisten Probleme – lokal und global – sind akut und struktureller Natur und deshalb konkret nur durch grundlegende Veränderungen zu überwinden. Frieden gelingt nur durch Abrüstung, Entmilitarisierung (auch geistig) und zivile Entwicklung. Die Bewältigung der Klimakrise – auch die Vermeidung von Pandemien – gelingt nur durch ein rationales Verhältnis zur Natur in neuer Dimension. Die nachhaltige Behebung von Armut und Elend in vielen Regionen der menschlichen Gesellschaften gelingt nur durch eine starke Umverteilung zwischen den industrialisierten Ländern und den ärmsten bzw. schwach entwickelten Ländern auf der Welt.

Aber auch in den industrialisierten Ländern selbst steht es wahrlich nicht zum Besten. Deshalb empfiehlt das WSI (s.o.) nachdrücklich mehrere Maßnahmen zur Verminderung der Kluft zwischen Arm und Reich: Die Anhebung des Kurzarbeitergeldes, die Gewährleistung einer institutionellen Kinderbetreuung, die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I und die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze, eine Anhebung des Mindestlohns, die Stärkung der Tarifbindung, höhere Steuern auf Kapitalerträge, eine Reform der Erbschaftssteuer, die Anerkennung von Bildungsabschlüssen von MigrantInnen sowie der Ausbau sozialer und psychologischer Beratungsangebote.

Hinzufügen läßt sich noch die substantielle Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen bei Stärkung der institutionellen Mitbestimmung sowie das prinzipielle Lösen der Schuldenbremse und eine bedarfsgerechte öffentliche Finanzierung allgemeiner gesellschaftlicher Aufgaben (Soziales, Bildung, Gesundheit, Kultur und Infrastruktur). Das ist ein gut zu beschreitender Weg aus der tiefgreifenden Krise, die durch die neoliberale Doktrin verursacht ist. Dieser Weg muß erstritten werden – aus der Sackgasse hinaus. Hier geht es nicht weiter.

Dabei sollten Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft ihrer grundgesetzlich garantierten Rolle und Verantwortung zur Lösung der Probleme für eine rundum menschenwürdige Existenz in neu geschärftem Bewußtsein nachkommen. Diese positive Selbstverpflichtung hat auch Bedeutung bei den Wahlen zur Akademischen Selbstverwaltung sowie der studentischen Interessenvertretung. Ein aufgeklärtes Menschenbild ist dabei für diese gemeinsame und persönliche Herausforderung sehr hilfreich. Kunst, Wissenschaft und Engagement geben sich wieder die Hand. Das hat sich gewaschen.

„Hamlet:
Wie jeder Anlaß mich verklagt und spornt mich
Zur trägen Rache an! Was ist ein Mensch,
Wenn seiner Zeit Erlös, sein höchstes Gut
Nur Schlaf und Essen ist? Ein Vieh, nichts weiter.
Gewiß, er, der uns schuf mit so viel Denkkraft
Zur Vor- und Rückschau, gab uns dies Vermögen
Und diese gottgleiche Vernunft nicht nur, daß
Sie ungenutzt in uns verschimmle.“

William Shakespeare, „Hamlet“ (in der Übersetzung von Erich Fried), Vierter Aufzug/Vierte Szene, 1601.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg,
SDS* Hochschulgruppe Uni Hamburg.
Veröffentlicht am Donnerstag, den 3. Dezember 2020, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1512.html