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Olympia, die eierlegende Wollmilchsau?

Keine Spiele ohne Brot!

Nationalismus ist kein Sport
„Ein allerletztes Thema: die unsäglichen »Medaillenspiegel«. Ich habe wirklich keine Ahnung, was die Platzierung irgendeines Berufssportlers in einem fernen Wettbewerb mit »Deutschland«, also (auch) mit mir zu tun haben könnte. Die Aufstellung einer Tabelle zur Bewertung von Staa-ten erscheint mir als echte Perversion der ganzen Angelegenheit.“
Thomas Fischer, „Warum ich kein Sportreporter sein möchte“, „SPIEGEL“, 13.2.2026

Wie durch ein Wunder sollen alle Probleme gelöst werden, für deren Lösung Gewerkschaften und Bewegung aus vielen Teilen der Stadt streiten. Es sollen neue Sozialwohnungen gebaut werden, der ÖPNV stark ausgebaut werden, Kultur und Sport für Alle soll ermöglicht werden, es sollen vielfach Investitionen in die Stadt getätigt werden und ein Zeichen des Friedens soll gegen die eskalierende internationale Konkurrenz gesetzt werden. Der Hamburger Senat übt sich als Wahrsager der großen Erlösung, Olympia in Hamburg.

Doch wie soll eine Krise gelöst werden, auf deren Ursache beharrt wird? Austeritätspolitik – Kürzung der öffentlichen Ausgaben für das Allgemeinwohl zugunsten der großen Konzerne – und die „Kriegsertüchtigung“ mit hunderten Milliarden Euro in Rüstung und Militär werden vom Rot-Grünen Senat nicht infrage gestellt. Nur sollen ihre Folgen mit einem großen Volks-fest verdrängt werden. Olympia ist also doch nur eine Sau und wir sollten ihr Hamburg nicht zum Fraß vorwerfen – keine Perlen vor die Säue!

Sport ist kein Wert für sich, auf das wofür und für-wen kommt es an. Heute ist Olympia ein internationales Profitfest, bei dem mit Senderechten, Werbung und Sportartikeln Milliarden Euro in die Hände einiger weniger gespült werden. Dafür sollen gedopte Sportler wie Gladiatoren im Konkurrenzkampf gegeneinander antreten, um den wirtschaftsstärksten Staaten der Welt regelmäßig die obersten Medaillenränge zu sichern (Der nationale Medaillenspiegel wurde bei der Olympiade 1936 von den Nazis eingeführt). Frieden und Völkerverständigung sieht anders aus. Auch mit dem real praktizierten Breitensport hat das nichts zu tun.

Es braucht stattdessen Investitionen in Orte und Möglichkeiten an denen sich Alle sportlich betätigen können. Zum Beispiel mit Investitionen in Schwimmbäder und einen kostenlosen Schwimmunterricht für Alle Kinder und Jugendlichen in Hamburg – das hat lebenswichtige Bedeutung!

Im Breitensport muss es um anderes gehen als „den Kopf vom Alltag frei kriegen“ und „Selbstoptimierung“ nach modernen „Schönheits-“ und Fitness-Idealen. Im spielerischen Wettbewerb die Kunst und Stärke der Kooperation zu lernen ist die lebendige Alternative. Die Geschichte der Arbeitersportvereine macht vor, wie das geht. Nur so lernen Alle kennen, was tatsächliche, auch körperliche, Gesundheit und Schönheit ist.

Das Gelingen der Kooperation im Kleinen hängt dabei eng zusammen mit dem Gelingen der Kooperation im Großen. Vorwärts bringen Völkerverständigung und internationale Kooperation statt Salutieren für das Vaterland. Umverteilung und Ausbau des Sozialstaats statt Profite für wenige. Solidarität statt Konkurrenz.

Dafür kämpfen wir für die bedarfsgerechte Finanzierung der Universität. Denn Bildung und Wissenschaft ist entscheidend, damit wir uns als Subjekte bilden können, um die Gesellschaft sozial, zivil und demokratisch zu gestalten. Diese positive Zwecksetzung ist Inhalt von Zivilklauseln wie sie sich z.B. die MIN-Fakultät gegeben hat, und für deren Ausweitung das Engagement Aller entscheidend ist. Auf jeden kommt es an, also stimmt mit NEIN bei der Volksabstimmung zu Olympia und hoch die internationale Solidarität!

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 27. April 2026, https://www.harte--zeiten.de/artikel_1628.html