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Gegen Frust und Vereinzelung im Kinderzimmer - Für die Ausfinanzierung des Studierendenwerks

„Er hatte von seiner kleinen Mansarde in dem Haus der Familie Zollgreve erzählt. Da mußt du raus, sagten sie, da packt dich der Frust. Wir horchen mal rum, wo was frei ist.“
(„Heißer Sommer“, Uwe Timm, 1974)

Im Jahr 2022 wohnten Erwachsene in Deutschland im Durchschnitt, bis sie 23,8 Jahre alt waren bei ihren Eltern (Statistisches Bundesamt, 2022). Tatsächlich geben in der Studie zur sozialen Lage des FSR-Sozialwissenschaften, 86% der Studierenden der Uni Hamburg, die bei ihren Eltern wohnen,an, dass ein Auszug finanziell nicht möglich sei. Das ist ein großes Problem, weil einen beiden Eltern oder in anderen familienähnlichen Zusammenhängen der Frust packt. Das Wohnen bei den Eltern reduziert Menschen in ihrer Gesellschaftlichkeit auf die Funktion Kind. Nach1 ½ Stunden Heimweg wartet auf dich dein Kinderbett und Mama fragt, wie’s in der Uni war.

Einreden, wie es sei viel praktischer, weil man täglich warmes Essen bekommt, das Zimmer ggf. geputzt wird und außerdem verstehe man sich auch sehr gut mit seinen Eltern und freue sich, diese jeden Tag zu sehen, sollen dies erträglich machen. Sie werden gesellschaftlich nahegelegt, damit wir alle bescheiden und nett bleiben und nichts an dem bestehenden Mangel bezahlbaren Wohnraums ändern.

Wohnen ist eine wichtige Grundlage für ein menschenwürdiges Leben.

Wer gute Wohnbedingungen hat, hat damit auch bessere Bedingungen, um für eine gerechte Gesellschaft zu streiten.

In Hamburg leben mindestens neun Multi-Milliardär:innen und bundesweit die meisten Einkommensmillionär:innen.
Umso absurder ist es, dass kein Geld für günstiges und gutes Wohnen da sei und die Mieten im Bundesdurchschnitt überdurchschnittlich hoch sind. Dies ist dringend zu ändern.

Die öffentlichen Wohnheime vom Studierendenwerk Hamburg sind meistens die günstigste und potenziell kulturell erfreulichste Möglichkeit mit einer Durchschnittsmiete von 326€. In den Wohnheimen leben Menschen unterschiedlicher (sozialer) Herkunft, was erfreuliche und lehrreiche Begegnungen ermöglicht und den internationalen und kulturellen Austausch befördert. Besonders die Völkerverständigung hat ein großes friedenbildendes Potential, da z.B. Menschen aus Ländern verfeindeter Regierungen sich persönlich kennenlernen können und dadurch Vorurteile abgebaut werden.

Die Wohnheime sind Orte der Demokratiebildung, in denen das alltägliche Leben gemeinsam gestaltet werden kann, unter anderem durch die Bewohner:innen-Selbstverwaltung der Häuser (Heimräte).

Wachsende finanzielle Sorgen, Leistungsdruck im Studium, kulturelle Anpassungsforderungen und herausfordernde Konflikte führen seit längerem dazu, dass viele Bewohner:innen sich auf ihre Zimmer zurück-ziehen, nur mit Kopfhörern rumlaufen und vereinzeln. Diese Tendenz schadet uns allen!

Ein studentischer Aufbruch für Bildung und Wissenschaft, die nicht Marktforderungen bedienen, sondern der Entfaltung aller Menschen gewidmet sind, ist neuerlich nötig. Ein besserer Sinn schafft eine bessere Kultur.
Für eine entsprechende studentische Bewegung haben Heimräte die spezifische Bedeutung, für anständige Wohnverhältnisse (niedrige Mieten, faire Verträge, keine Rausschmisse, vernünftige bauliche Bedingungen, Sport- und Gemeinschaftsräume) zu kämpfen und dabei eine menschenzugewandte, international solidarische Alltagskultur zu stiften, in der gemeinschaftliches Lernen, Diskutieren, politische Aufklärung und kulturelle Entfaltung selbstverständlich sind. Die Heimräte können auch erheblich den Kampf für deutlich mehr, günstigere und bessere Studierendenwohnheime befeuern. Das ist dringend notwendig,weil nur 4.400 Wohnheimplätze für mehr als 70.000 Studierende und aktuelle eine Warteliste von ca. 2.600 Bewerber:innen unhaltbar ist.

Mit der OpenPetition „Für bezahlbaren Wohnraum und die Ausfinanzierung des Studierendenwerks“ (openpetition.de/stwhh) ist für diese Kämpfe schon ein Startsignal gegeben. Solche und ähnliche Initiativen sind an der Uni nicht schwer zu finden.

Also raus aus der Bude!

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Samstag, den 6. Januar 2024, https://www.harte--zeiten.de/artikel_1624.html