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Filmschau und Diskussion: „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Freitag, den 23. Januar 2026 um 17:30 Uhr in S07, Von-Melle-Park 9 (Sozialökonomie)


„Die Klugen machen klug, die Gütigen machen gütig, die Tapfern machen tapfer.“
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er-Jahre.

„Nie wieder Krieg, Nie wieder Faschismus“ heißt konsequent verfolgt, Krieg und gewaltvolle Verhältnisse prinzipiell zu überwinden. Aufklärung und Geschichtsbewusstsein sind entscheidende Faktoren, damit dies in Kooperation der progressiven Kräfte gelingt. 1945 wurde die Welt durch das system- und weltanschauungsübergreifende, weltumspannende antifaschistische Bündnis von der Tyrannei des deutschen Faschismus befreit. Die gleiche Menschenwürde als oberstes Gebot, die Menschenrechte und die UNO gingen aus diesem Zeitenwechsel hervor. Gegen diese Konsequenz richtete sich alsbald die Restauration der kapitalistischen Gesellschaft unter neuem Namen („Soziale Marktwirtschaft“) durch die Regierung Konrad Adenauers (CDU) im unheilvollen Bündnis mit den USA. Für diesen Coup sicherte die Adenauer-Regierung unzähligen NS-Funktionären zentrale Posten im deutschen Staat.

Der Film zeigt die Geschichte des Kampfs von Fritz Bauer (geboren 1903 in Stuttgart, am 1. Juli 1968 in Frankfurt a. M. verstorben) als Staatsanwalt dafür, den Organisator des Holocausts, Adolf Eichmann, vor ein deutsches Gericht zu stellen, die deutsche Gesellschaft mit dem Menschheitsverbrechen zu konfrontieren und die Organisation des Holocausts mit Namen der Mittäter zu ermitteln. Die Feinde von Bauers Absichten stehen dabei in der eigenen Behörde, der Polizei, den Geheimdiensten und schließlich der Bundesregierung und versuchen skrupellos, die Verurteilung Eichmanns zu verhindern.

Schließlich gelingt es Fritz Bauer, den israelischen Geheimdienst Mossad dazu zu bewegen, den über die „Rattenlinien“ des Vatikans nach Argentinien geflohenen Eichmann zu verhaften. Entgegen Bauers Insistieren wird – infolge des Angebots der Bundesregierung, deutsche Waffen an Israel zu liefern – Eichmann in Israel vor Gericht gestellt und seine Auslieferung an die BRD unterbunden. Die Verteidigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung gegen die sozialistische Sowjetunion sowie der Ausbau der globalen imperialistischen Herrschaft der westlichen (NATO-)Staaten gehen einher mit großen Bemühungen, die Verbrechen des Faschismus zu verschleiern.

In brillanter Weise verbildlicht der Film auch die Freundschaft Fritz Bauers mit einem fiktiven Jungstaatsanwalt, der fasziniert von Bauers Kampfesmut und durch dessen Freundschaft bestärkt ist, seine Homosexualität befreiter zu leben. Sich gegenseitig befeuernd im Anliegen an einer humanen, gerechten Gesellschaft, nehmen sie die Verfolgung Eichmanns couragiert gemeinsam in die Hand.

Diese Kooperation ist wirkungsvoll, sogar gegen die denunziatorischen Einschüchterungs- und Spaltungsversuche der sich an Nazi-Gesetzen über das Verbot homosexueller Lebensweise bedienenden Behörden.

Nach dem Eichmann-Prozess trug Fritz Bauer 1963 mit den Auschwitz-Prozessen in Frankfurt wesentlich zur Aufklärung der westdeutschen Öffentlichkeit über die Vergangenheit bei und gab damit einen entscheidenden Anstoß für die folgende 68er-Bewegung. Von den Universitäten ausgehend gelang in Deutschland und der ganzen Welt ein grundlegender gesellschaftlicher Aufbruch, befreit aus den Fesseln der bieder-konservativen Kultur der 50er Jahre für die soziale Emanzipation, für friedliches globales Zusammenleben und die konsequente Verwirklichung der Schlussfolgerungen aus 1945.

Die schon damals tiefgreifend infrage gestellte „freie westliche Welt“ befindet sich heute tiefer in der Krise als je zuvor – mit rapide steigender Ungleichheit, martialischer Aufrüstungspolitik und Krieg.

Zur Überwindung dessen können wir aus der Geschichte lernen, das Blatt zu wenden. Für eine Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Solidarität!

Für die Verwirklichung der Menschenrechte! Für die friedliche, soziale und kulturelle Entfaltung des Lebens!

Also kommt dazu und lasst uns gemeinsam diskutieren, wie wir Studium, Universität und die Gesellschaft – aus dieser unserer Geschichte lernend – zum besseren verändern.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 12. Januar 2026, https://www.harte--zeiten.de/artikel_1576.html