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Dirigismus oder Emanzipation?

Zur beabsichtigten Exmatrikulation von 1939 Studierenden

"Organisation
Herr K. sagte einmal: »Der Denkende benützt kein Licht zuviel, kein Stück Brot zuviel, keinen Gedanken zuviel.«"

Bertolt Brecht, Geschichten vom Herrn Keuner.

Ordnung; Disziplin, Hygiene? Das hat Bertolt Brecht sicher nicht mit der produktiven Orientierung einer aufgeklärten Handlungsweise gemeint.

Ende letzter Woche hat die Verwaltung der Universität an knapp zweitausend Studierende sogenannte Exmatrikulationsbescheide versandt, weil diese aus sozialen und politischen (auch verwaltungstechnischen) Gründen noch keine Gebühren bezahlt haben.

Vorweg gesagt: Diese Schreiben sind rundum zweifelhaft. Schon allein die Exmatrikulation im laufenden Semester ist offenkundig rechtswidrig. Mit solidarischer Kooperation und begründeter Kritik kann hier eine kultivierte Übergangslösung ins nächste Semester erwirkt werden, die zudem allen eine Teilnahme am kommenden Gebührenboykott ermöglicht. Entsprechende Informations- und Diskussionsveranstaltungen sollten dafür wahrgenommen werden.

Funktional ist der groteske Massenbrief eine folgerichtige Konsequenz der Bravheit gegenüber der neoliberalen Ökonomisierung der Hochschulen. Nach dieser politischen Prämisse gilt als Zweck der Universitäten die Produktion und Verbreitung nicht von kollektiv nützlichen Erkenntnissen, sondern von Waren, die auf dem Markt veräußerbar sind. Kaufen und verkaufen - das sei die quasi-göttliche Norm. Abweichung darf nach Auffassung der Priesterinnen und Priester nicht sein. Nach Gründen wird nicht gefragt. Der totale Markt ist erbarmungslos autoritär. Den Universitäten und ihren Mitgliedern sollen so strukturell humane Ansprüche der Wahrheitsfindung und kritischen Kreativität zur menschenwürdigen Gestaltung der Gesellschaft abtrainiert werden.

Dafür werden Studierende zu Kunden degradiert, die "Qualifikation" und Zertifikate nachfragen und zu diesem Zweck Studiengebühren bezahlen sollen. Bildung, Kunst und wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn (oder was davon übrig bleibt) gelten als Waren. Eine Ware ist zu bezahlen. Sonst folgen Mahnung und Strafe dem schamvollen Dieb auf dem Fuße. Geheiligt sei das private Eigentum, in Ewigkeit. So sei es. Sei es so?

Diese erniedrigende Praxis gegen Bildung und Gesellschaft verlangt nach einem engagierten Contra aller. Vernunft verträgt kein Diktat.

Die Hochschulen und damit die Studierenden sind zunehmend vor die Wahl gestellt: gehorsamer Trott in einer surrealen kommerziellen Geisterwelt, in der die Mehrheit müde schafft, was einer Minderheit nützt oder eine konstruktive egalitäre Gemeinschaft Lernender und Lehrender, die im kritischen Disput die gesellschaftliche Nützlichkeit ihrer Arbeit konsensual bestimmen und so das allgemeine Wohl mehren.

Eine lebendige Demokratie, sozialer Fortschritt und ein heiter-rationaler Bezug zu den Mitmenschen sollten also ein "Wagnis" wert sein. Nützliche Arbeit und zivile Entwicklung sind dabei auch nicht zu verachten. Kunst als anschauliche Erkenntnis sei eine allgemeine Angelegenheit.

Deshalb: Die Sinne weit auf! - Ohne Beschränkungen ist das Leben für alle am besten.

Drohungen und Einschränkungen aller Art müssen deshalb kollektiv zurückgewiesen werden.

FSRK und AStA rufen auf:

Gemeinsame Beratung
des solidarischen Vorgehens
gegen die sogenannten
Exmatrikulationsbescheide

am Donnerstag, den 2.8.2007,
um 11h, im Philturm Hörsaal D.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther & Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive
Veröffentlicht am Montag, den 30. Juli 2007, http://www.harte--zeiten.de/artikel_612.html