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Eene, meene, miste - es rappelt in der Kiste:

Die konfliktreiche Suche nach einem Präsidenten oder einer Präsidentin

"Jedenfalls lebt kein vollsinniger Kaufmann auf dieser Erde, der Milliarden und Milliarden in ein Geschäft hineinsteckt, das er niemals auszunutzen gedenkt. Das tut aber der Militarismus. Und es gibt da so eine Art Naturgesetz: was man jahrelang, mit dem Aufwand der äußersten Geldeinlagen, vorbereitet, das muß sich eines Tages von selbst auslösen. Geladene Gewehre gehen einmal los."
Kurt Tucholsky, „‚Gesunder Pazifismus‘“, 1928.

Die Universität hat sich angenehm wegweisende Grundsätze gegeben:
"Für alle Menschen will sie (die Universität) ein Ort lebenslangen Lernens sein und ein öffentlicher Raum der kulturellen, sozialen und politischen Auseinandersetzung. (...) Sie (die Mitglieder der Universität) wollen zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft beitragen und Frauen und Männern gleichen Zugang zu Bildung und Wissenschaft eröffnen. (...) Geleitet von diesem Bild einer weltoffenen, wissenschaftlich leistungsfähigen Universität setzt sich die Universität Hamburg die Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft für eine friedliche und menschenwürdige Welt (...) als Ziel(e) ihrer künftigen Entwicklung." ("Leitbild Universität" Hamburg, 1998.)
In diesem Sinne hat sich der Akademische Senat (AS) wider den Krieg der US-Administration gegen den Irak ausgesprochen.

Auf dieser Linie vernünftiger Entscheidungen für emanzipatorische und verantwortliche Wissenschaft liegt auch die wiederholte Ablehnung von Studiengebühren.

Die Ehrung der "Weißen Rose" gehört ebenso zu diesem Impetus wie das erinnernde Benennen von Hörsälen des Hauptgebäudes nach humanistischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.

Dies ist der politisch-kulturelle Hintergrund, vor dem ein Präsident/eine Präsidentin die Uni durch kollegiales Zusammenwirken im Präsidium, in enger Kooperation mit dem Akademischen Senat (AS), im souveränen Verhältnis zum eher amorph aufgesetzten Hochschulrat, in Koordinierung der Fakultäten und unter aufmerksamer Berücksichtigung der Personalräte sowie der Verfaßten Studierendenschaft die Universität leiten sollte.

Bislang konnten diese Ansprüche - bei allerlei Hakeligkeiten - in wesentlicher Tendenz gemeinsam verwirklicht werden.

Nun soll eine Person neu für dieses Amt bestimmt werden, da die Amtszeit des bisherigen Präsidenten Jürgen Lüthje im September des laufenden Jahres endet.

Das ist laut Dräger-Gesetz Aufgabe des Hochschulrates, der eine Kommission (mit auch Vertretungen aus dem AS) eingesetzt hat. Der AS muß dann den definitiven Vorschlag bestätigen - oder auch nicht.

Vorrangig im Gespräch ist Prof. Dr. Ing. Monika Auweter-Kurtz, die die Abteilung Raumtransporttechnologie der Uni Stuttgart leitet.

Sie leitet zudem das "Steinbeis Transferzentrum" für "Plasma- und Raumfahrttechnologie", das als einen Referenz-Kooperationspartner die "Bayern-Chemie/ Portac" ausweist. "Bayern-Chemie/Portac" ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzerns EADS und des französischen Rüstungskonzerns THALES und entwickelt und produziert unter anderem eine Kurzstrecken-Luftabwehrrakete, einen Raketenmotor für eine britische Abwehrrakete sowie einen Feststoffraketenmotor für Lenkraketen.

Eine Schelmin, die Schlechtes dabei denkt.

Frau Auweter-Kurtz befürwortet zudem Studiengebühren.
Zu ihrem Menschenbild sagt die Wissenschaftlerin: "Erst vor einigen Jahren erfuhr ich, dass es in meiner entfernten Verwandtschaft mehrere Physiker gibt, zwei davon haben es bis zum Professor geschafft. Also steckt diese Neigung möglicherweise in meinen Genen." ("Frauen Aktiv in Baden-Württemberg", Ausgabe 25, 3/2004.) Die biologistische Deutung von geistiger spezifischer Qualifikation ist nicht vereinbar mit einem aufgeklärten Verständnis des Menschen und seiner Kultur.

Vielleicht hält ja auch deshalb die Unternehmensberatung SUP, die in das Findungsverfahren eingeschaltet ist, Frau Auweter-Kurtz "mit 7 von 10 möglichen Punkten für die Position der Präsidentin der Universität Hamburg qualifiziert". Rüstungsforschung liegt quer zum Leitbild der Universität und der daraus abgeleiteten Funktion des Präsidiums. Studiengebühren sind abzulehnen wie diese Kandidatin.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther, Golnar Sepehrnia, Christian Sauerbeck & Bela Rogalla, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: Regenbogen - Alternative Linke,
FachschaftsBündnis - Aktive für demokratische und kritische Hochschulen,
harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive
Veröffentlicht am Donnerstag, den 15. Juni 2006, http://www.harte--zeiten.de/artikel_422.html