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Die Kooperation der Vernünftigen ist das Ende der Ohnmacht

Zum 60. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima und Nagasaki

"FREITAG: Warum widmete Roosevelt auf der Krim Stalins Besorgnis über die Welt nach dem Krieg dermaßen viel Aufmerksamkeit?
VALENTIN FALIN: Roosevelt ... sah die Nachkriegswelt als eine Welt ohne Waffen. Laut Roosevelt durften nur die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und eventuell China ihre Streitkräfte behalten, allerdings in begrenzter Stärke. Alle übrigen Länder ... hätten vollständig abrüsten müssen. ... Roosevelts Begründung lautete: 'Das Wettrüsten und eine gesunde Weltwirtschaft sind unvereinbar.' ... Die beibehaltenen Streitkräfte der genannten drei oder vier Staaten hätten laut Roosevelt nur nach allgemeiner Abstimmung aller Mächte eingesetzt werden dürfen. Sie sollten allein den Auftrag haben, einen möglichen neuen Krieg oder eine Aggression im Keim zu ersticken."

(Aus einem Interview der Wochenzeitung Freitag mit dem sowjetischen Diplomaten und Historiker Valentin Falin, Freitag, 4. März 2005)

"Die Atombombe, mit der die atomarische Energie sich zeitgemäß vorstellt, berührt die 'einfachen Leute' als lediglich furchtbar. Der Sieg in Japan scheint denen, die ungeduldig ihre Männer und Söhne zurückerwarten, vergällt. Dieser Superfurz übertönt alle Siegesglocken."
(Bertolt Brecht, Tagebuch, 10. September 1945)

Mit dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition, in der demokratische Liberale, Sozialisten und Kommunisten gemeinsam als Soldaten der alliierten Armeen, Exilanten und Widerstandskämpfer gegen die Barbarei des Faschismus gekämpft hatten, stand die Welt 1945 vor dem Beginn einer neuen Ära der Vernunft und des Friedens. Mit dem Potsdamer Abkommen, der Konferenz der Siegermächte vom 17. Juli bis 2. August 1945, wurden Grundsteine dafür gelegt. Doch mit dem vom neuen US-Präsidenten Truman befohlenen Einsatz der Atombombe gegen die Städte Hiroshima am 6. und Nagasaki am 9. August 1945 im militärisch bereits besiegten Japan begann der Kalte Krieg. Die brutale Vernichtungskraft der Atomwaffen übertraf alles vorher Denkbare. An die Stelle von "Zusammenarbeit und Verständigung" für "die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens" (Potsdamer Abkommen) trat die waffenstarrende Angst vor der gegenseitigen Vernichtung.

In den Jahren der Aufrüstung nach 1945 wurden atomare Potentiale errichtet, mit denen die gesamte Menschheit vielfach vernichtet werden könnte. Im Westen wurde die kapitalistische Restauration durch antikommunistische Propaganda, Einbindung in die NATO und Stärkung der Rüstungsindustrie erzwungen, die große Teile der faschistischen Funktionseliten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wieder einbezog. Im Osten banden Rüstung und Konfrontation gewaltige Ressourcen, die zum Aufbau der von der faschistischen Destruktion zerstörten Ökonomie und Infrastruktur benötigt worden wären, und behinderten die volle Entfaltung der sozialistischen Gesellschaft.
Heute führt die verbleibende Supermacht USA unter dem Schirm der atomaren Übermacht wieder offen imperialistische Kriege. Wo die Kräfte des Marktes nicht ausreichen, um die Interessen des Kapitals weltweit zu realisieren, werden sie militärisch durchgesetzt. Die Verdrängung der Angst vor der empfundenen Ohnmacht gegenüber der scheinbaren Allmacht von Markt und Militär nimmt neurotische Züge an.

Doch die Schlußfolgerungen aus Faschismus und Weltkrieg sind historische Tatsachen. Die Forderungen des Potsdamer Abkommens - Zerschlagung der Monopole, radikale Abrüstung, umfassende Demokratisierung und Aufbau einer Friedensindustrie - sind weltweit einzulösen. Sie sind Voraussetzungen für und Schritte zur sozial gleichen und kulturell vorwärtsdrängenden Entfaltung aller Menschen. Sie sind zu erkämpfen von jenen "einfachen Leuten", die nicht einfach bleiben wollen und die die Atombombe "als lediglich furchtbar" berührt.

Die Kooperation der Vernünftigen ist der Ausblick auf eine neue Ordnung der Vernunft und des Friedens.

Das Hamburger Forum ruft auf zum:

Anti-Kriegstag 2005

am 1. September 2005, um 17:30 Uhr
Treffpunkt: "Kriegsklotz"
(Dammtorbhf./Stephansplatz)

V.i.S.d.P.: Niels Kreller, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Freitag, den 5. August 2005, http://www.harte--zeiten.de/artikel_306.html