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Wichtig tun.

Oder die Unterschiede von Innovation und Reaktion

„Der Vorschlag der Bundes-SPD bedeutet einen erfreulichen Kurswechsel, nachdem die besten deutschen Hochschüler seit Jahren nach England oder in die Vereinigten Staaten abwandern. Endlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass unsere Hochschulen im internationalen Wettbewerb um die Besten stehen. [...] Der nächste Schritt sollte sein, dass die SPD endlich auch Studiengebühren zulässt, sonst wird Exellenz nicht zu finanzieren sein.“
Karl-Joachim Dreyer, Präses der Handelskammer Hamburg.

Die Handelskammer, der wirtschaftsdominierte „Stifterverband“, diversere Konzernvorstände und selbstverständlich die Bertelsmann-Einrichtung „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE) spenden höflichen Applaus, denn Schröder, Scholz und all jene, die sich auch gerne zur SPD-Spitze zählen, werfen sich voll in den Trend. „Elitenförderung“, Forschungsinvestitionen zum Zwecke der Profitsicherung, mehr Konkurrenz zwischen den Hochschulen und ihren Mitgliedern ... die Konzernvorstände reiben sich die Hände: Heinrich von Pierer (Siemens), Jürgen Kluge (Unternehmensberatung McKinsey), Joachim Milberg (Ex-BMW) und andere wollen nächste Woche beim Kanzler vorstellig werden, um den kapital-devoten Kurs in der Wissenschafts- und Hochschulpolitik der Bundesregierung festzuklopfen: Es komme „Das Jahr der Innovation“. Prost Neujahr!

„Innovation“ heißt „Erneuerung“. Gemeint sind – lexikalisch – wissenschaftlich-technische, kulturelle oder soziale Elemente (Erfindungen, Institutionen, Ideen) und deren Einführung oder Verbreitung. Keine Erneuerung ist: Der ewige Kapitalismus; der Opportunismus, die Herrschaft Weniger über Viele, die Vermehrung des Profits durch Ausbeutung der Arbeitskraft, die Steigerung der Ausbeutbarkeit Vieler durch sogenannte Bildung, die Züchtung gemeingefährlicher Kapital- und Staatsfunktionäre an Elite-Hochschulen (siehe US-Regierung), die Disziplinierung der Mehrheit durch verschärfte Konkurrenz, die Ausnutzung wissenschaftlicher und kultureller Errungenschaften und Qualifikationen ausschließlich für Geschäfte. Weder aalige Wirtschaftstechnokraten noch ‚sozialdemokratische Modernisten‘ (letztere sehen qua positioneller „Erneuerung“ recht alt aus) können den reaktionären Charakter dieser Politik verbergen.

Zeitgemäß wäre dagegen: Vernunftgeleitete und problemkritische Aufgabenbestimmung für Lehre und Forschung; bedarfsgerechte, öffentliche Finanzierung aller Hochschulen; Erhöhung der Studienplatzzahl; soziale Sicherung; Förderung der solidarischen Kooperation aller wissenschaftlich Tätigen; kritischer Praxisbezug in den Wissenschaften und die Demokratisierung der Entscheidungsprozesse. Damit wären Bildung und Wissenschaft für die allgemeine Nutzbarkeit kultureller, sozialer, wissenschaftlicher und technischer Hervorbringungen zu ermöglichen: Für Frieden, soziale Entwicklung, sinnvolle Arbeit, humanistische Bildung und Kultur, Demokratie und Gleichheit. Für Alle.

Kapitalkritisches Engagement aus den Studierendenschaften für bewusste, solidarische also humanistische Bildung ist nötig und – bundesweit – bereits entwickelt.

Und in Hamburg?

V.i.S.d.P.: Niels Kreller, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: juso-hochschulgruppe & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 12. Januar 2004, http://www.harte--zeiten.de/artikel_3.html