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Nathan der Weise

oder: Erneut gegen drastische Vorurteile

,,Tempelherr:
Der Aberglaub, mit dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns. - Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.“

G.E. Lessing, ,,Nathan der Weise“, 1779.

,,Ich sage jetzt ganz bewußt, daß wir alle Integration als etwas viel zu Leichtes angesehen haben. Vor fünf Jahren bin ich noch massiv beschimpft worden, daß ich die Leute zwangsgermanisieren will. Aber wir müssen sagen, wer auf Dauer in Deutschland lebt, muß die deutsche Sprache lernen, er muß auch die Bereitschaft haben, sich in unsere Kultur, in unser Wertesystem zu integrieren, er muß unser Gesellschaftsmodell voll akzeptieren.“
Günther Beckstein, Innenminister, Bayern, 2004(!).

Zwischen Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) und Günther Beckstein (59 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus und 55 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes) bestehen so manche Unterschiede.

Der eine war Aufklärer und Humanist - leider viel zu früh verstorben - kurz vor der französischen Revolution von 1789, der andere war und ist Reaktionär, ideologischer Scharfmacher und entsprechend konsequenter Innenminister eines Bundeslandes.

Der einschlägige CSU-Recke ist einer der Mitbetreiber des anschwellenden konservativen Halali auf alle Errungenschaften der Moderne, der Demokratie, des sozialen Fortschritts und der Aufklärung - schlicht: der vernünftigen humanen Entwicklung.

Wer gern Kriege führen und den Polizeiknüppel schwingen läßt, wer den Sozialstaat schleifen will (siehe auch: O.v. Beust), die Arbeit,,nehmer“ schlecht und gewollt zu tariflichem Freiwild erklärt, der, ja, der braucht die tradierten alten Sündenböcke für die massive Ablenkung von den progressiv änderbaren Übeln.

Die aktuellen Schandtiere (dunkle Muselmanen und kopftuchtragende Frauen) jagt er nicht mehr, mit allen Sünden beladen, in die Wüste, sondern in die Erwerbslosigkeit, die kulturelle Verachtung, in den Bibelunterricht, zum Deutschpauken und zum Schwur auf die Verfassung (von der, im Ernst, der stramme Konservative sowieso wenig hält!). Mit mystischem Trotz gegen Vernunft, Demokratie und soziale Rechte wird wieder die Nation in der wirtschaftlich-sozialen Krise polternd beschworen; Ordnung, Sauberkeit, Fleiß, Demut, Bescheidenheit, Fremdenhaß sollen wieder den klebrigen Kitt für gesellschaftliche Risse bilden. Dieser Vorgang bedroht alle. Daher sind auch alle gefordert, sich diesem Angriff zu stellen.

Vergewissern wir uns also lieber und dagegen der Aufklärung.

Sie bietet relevante Anhaltspunkte für Kritik und Opposition gegen die organisierte Unvernunft. Ein besseres Leben läßt sich somit erkennen und erstreiten.

Filmabend:
,,Nathan der Weise“

ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen von
Gotthold Ephraim Lessing
(1729-1781)
in einer filmisch dokumentierten Aufführung
des Deutschen Theaters zu Berlin;
in der Hauptrolle Dieter Mann.

Mit einer kurzen Einführung in Wirken und Werk Lessings von Dr. Wolfgang Beutin, Literaturwissenschaftler, Dozent und Autor.

Freitag, den 17.12.2004, 19 Uhr,
im Café Paranoia,
Rm W 132 des Werkstattgebäudes der Erziehungswissenschaft, am Ende der Binderstraße

,,Nathan der Weise“ ist seit 1945 ununterbrochen im Spielplan des Deutschen Theaters.

V.i.S.d.P.: Olaf Walther & Golnar Sepehrnia, c/o Studierendenparlament, VMP 5, 20146 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg
und Liste LINKS - Offene AusländerInnenliste . Linke Liste . andere Aktive
Veröffentlicht am Sonnabend, den 4. Dezember 2004, http://www.harte--zeiten.de/artikel_245.html