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Öffnung

Ein Grundsatz demokratischer und sozialer Hochschulpolitik

„Was die Wittenberger Forscher herausgefunden haben, wirft ein interessantes Licht auf die Wirklichkeit einer Hochschullandschaft, die über Elitezuschüsse und Hochschulpakte mit insgesamt fast 12 Milliarden Euro ausgestattet wird. Selbst dieser Geldsegen hat dem ungeheuren Boom von derzeit 2,7 Millionen Studierenden nicht standhalten können. Es gab niemals mehr Studierende in Deutschland – aber viele haben gar nichts von den Elite-Milliarden. Der Zuwachs der Studierenden liegt zwar seit 2004 bei knapp 50 Prozent – der Zuwachs der Professoren jedoch nur bei 17 Prozent.“
Christian Füller: „Ein Drittel der Lehre an der Uni ist unbezahlt“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 7.12.2014, S. 12.

„Würde man die Intelligenz der Werktätigen jetzt allzu sehr herabschrauben, dann könnte die Industrie nicht aufrecht erhalten werden.“
Bertolt Brecht: „Rede über die Widerstandskraft der Vernunft“, 1937.

„Bildung für Alle“ ist kein pur moralisches Gebot. Rund eine halbe Million neue Studierende machen sich mittlerweile zum Wintersemester an die Hochschulen auf. Wissenschaft ist längst global die Grundlage aller wesentlichen gesellschaftlichen Tätigkeiten. Durch die erweiterte Bildung einer wachsenden Zahl von Menschen wird auch die bewußte gemeinsame Entwicklung von Ökonomie, sozialem Leben, Kultur, Gesundheit und Organisation der Gesellschaft zum Wohle Aller tendenziell zur Angelegenheit Aller. Fremdes Kommando über gesellschaftlich notwendige Arbeit hingegen schadet allen – außer vielleicht den privaten Geschäften einer Minderheit.

Insofern bilden wissenschaftlicher Fortschritt, Bildung für Alle und gesellschaftliche Demokratisierung eine sinnvolle Einheit zur vernünftigen Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.

So ist der Andrang an den Hochschulen auch Ausdruck einer massenhaften Erwartung, durch Bildung und Wissenschaft an einer vernunftgeleiteten gesellschaftlichen Praxis teilzuhaben. Das ist ein täglicher Widerspruch zur Irrationalität des weltweiten Marktgeschehens.

In scharfem Gegensatz dazu steht das Prinzip: Auslese. Im Hochschulbereich ist ein scharfer Ausdruck dessen die Zulassungsbeschränkung – zum ersten Hochschulzugang (Bachelor), zum Weiterstudieren (Master) und selbst zu einzelnen Lehrveranstaltungen (qua STiNE-überwachter Teilnehmerbegrenzung). Durch dauerhafte Unterfinanzierung der Hochschulen wird so unproduktive Konkurrenz erzeugt. Isolation, Demotivation und Reibereien sind die kulturellen Zumutungen, die daraus folgen.

Solidarische Aufklärung in Aktion führt aus dieser Mühle heraus. Das ist eine Kernaufgabe der Verfaßten Studierendenschaft. Die verfassungsmäßigen Rechte der freien Wahl der (Aus-)Bildungsstätte und die Wissenschaftsfreiheit können so zur Geltung gebracht werden. Wenn die Seminare voll sind, muß das daher nicht von Übel sein: In gut und motiviert besuchten Lehrveranstaltungen, Studiengängen und Hochschulen gelingt die Verständigung über die gemeinsame Lage und ein solidarischer Aufbruch zur Überwindung politisch geschaffenen Mangels besser.

Gefördert wird durch diese gemeinsame Haltung das humanistische Verständnis von Bildung: einer einzigen Menschheit anzugehören, zu ihrem Voranschreiten wissenschaftlich beizutragen und damit kooperativ die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Dafür müssen die Hochschulen personell, räumlich und inhaltlich ausgebaut werden.

So ist die allseitige Aufklärung durch Bildung mit der Forderung nach sozialem Fortschritt eng verknüpft: Die Öffnung der Hochschulen ist dann finanzierbar, wenn kostspielige Destruktion durch Rüstung, Krieg und (weitgehend steuerfreie und spekulative) Profite beendet sowie die „Schuldenbremse“ gelöst wird. Auch die Verwendung frei gewordener Bundesmittel aus dem „Bafög“ für die Grundfinanzierung der Hochschulen ist nötig.

Hinaus aus der Enge!

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Freitag, den 12. Dezember 2014, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1284.html