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Aus der Geschichte lernen
Zur kollektiven Mündigkeit

„Einer demokratischen Gesellschaft, so meine ich, steht es schlecht zu Gesicht, wenn sie auch heute noch in aufständischen Bauern nichts anderes als meuternde Rotten sieht, die von der Obrigkeit schnell gezäumt und in Schranken verwiesen wurden. So haben die Sieger die Geschichte geschrieben. Es ist Zeit, daß ein freiheitlich-demokratisches Deutschland unsere Geschichte bis in die Schulbücher hinein anders schreibt.“
Gustav Heinemann (Bundespräsident von 1969-1974), beim Bremer Schaffermahl, 1970.

Der notwendige Anstoß zu gesellschaftlichen Fortschritten ist immer die praktizierte Ambition, gerechte, demokratische und friedliche Lebensverhältnisse für Alle zu schaffen. Solche Bewegungen waren die notwendige Bedingung für die Überwindung des Faschismus 1945. Genauso wurde mit dem Aufbruch von 1968 international für eine Beendigung des Vietnam-Krieges, eine Phase der Verständigung zwischen Ost und West sowie eine umfassende Demokratisierung des Bildungswesens und der Kultur der Bundesrepublik gewirkt. Mit emanzipatorischen solidarischen Aktionen wurde auch jüngst die erneute Abschaffung der Studiengebühren erreicht und kann sich jetzt europaweit die Bevölkerung aus dem Klammergriff von Fiskalpakt und Schuldenbremse befreien.

Die vom friedensengagierten Bundespräsidenten Heinemann ausgesprochene Erkenntnis, daß dieser humane Movens aus der Geschichte niemals wegzudenken, ja vielmehr nach Kräften zu entdecken und zu fördern ist, ist das konsequente Gegenteil des gegenwärtigen Joachim Gauck, der zur internationalen Occupy-Bewegung meinte: „Das wird schnell verebben.“

Die qualifizierte weltweite Kritik an der „Diktatur der Finanzmärkte“ nimmt zu, weil immer mehr Menschen erkennen: „Unsere Gesellschaft soll nicht nur demokratisch verfaßt, sondern auch und entscheidend sozial sein.“
Gustav Heinemann, 1971.

Dafür ist die Überwindung aller Hindernisse solidarischer Entfaltung der vernünftige gemeinsame Bezugspunkt von Bildung, Wissenschaft und Kultur. (Dies wäre auch ein wohltuender Unterschied zum geschichtsklitternden öffentlich-rechtlichen 10-Millionen- Euro-Werbespot auf das Berliner Luxushotel Adlon des ZDF. Weder zu Kaiserzeiten noch „nach der Wende“ ist die Welt eigentlich in Ordnung.)

„Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, so sehen wir, daß alle bisherigen Klassenkämpfe nur in der Weise verlaufen sind, daß die aufstrebende Klasse im Schoße der alten Gesellschaft durch kleine Fortschritte, gesetzliche Reformen, allmählich immer mehr erstarkte und wuchs, bis sie sich stark genug fühlte, die alten Fesseln abzustreifen, durch eine soziale und politische Katastrophe.“
Rosa Luxemburg, Rede auf dem Hannoveraner Parteitag der Sozialdemokratie, 1899.

Hoffnung in der Tat ist kollektive gestaltende Mündigkeit der allermeisten Menschen. Hierin haben Universität und Verfaßte Studierendenschaft ihren wohlverstandenen Sinn. Mit der tiefen Legitimationskrise des Neoliberalismus und damit der postmodernen Doktrin vom „Ende der Geschichte“ gilt erneut:
Die Entwicklung ist offen.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Mittwoch, den 9. Januar 2013, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1180.html