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Gerechtigkeit? Fortschritt? Demokratie?
Von der Vermeidbarkeit der Übel

,,Ein paar Mal kam Herr Kaus mit dem Leben davon, weil er die Gefahr rechtzeitig gesehen hatte. Ein paar Mal auch, indem er schnell wegrannte. Aber in den meisten Fällen war es so, dass Herr Kaus einfach genau hingehört hatte, wenn die Menschen mit ihm sprachen, und dass dann etwas in ihrer Stimme gewesen war, das ihn beunruhigt hatte. Verzweiflung, Wut, was auch immer, Herr Kaus kann es nicht genau beschreiben. Ein gewisser Ton jedenfalls, den zu hören er gelernt hat in den vergangenen Jahren. Seit er Gerichtsvollzieher ist.“
Friederike Haupt, ,,Dieser Ton in der Stimme“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8.7.2012.

Nein, es ist keine Novelle aus dem Inflations-Jahr 1923, sondern es sind Tagesnachrichten im Juli 2012. Niedriglohn, Mieterhöhung, Verschuldung, Gerichtsvollzieher, Zwangsräumung, Schuß ...

Hunderttausende Menschen in der Bundesrepublik verlieren dieses Jahr wegen explodierender Mietkosten (nach ,,energetischer Sanierung“, durch Immobilien-Spekulation, Privatisierungen, Auflösung der Mietpreisbindung) ihre Wohnungen.

Hingegen sind die hunderte Milliarden Euro, die der Rettung ,,systemrelevanter“ Banken aus Steuergeldern zufließen, nicht mehr zu zählen.

Ist ,,Sozialstaat“ Solidarität der Bevölkerung mit den Banken?

Gottesdienst für die Märkte?

Datenschutz für Steuerbetrüger?

Die neoliberale Urlüge, jede und jeder sei seines Glückes eigener Schmied, könnte nicht wirksamer widerlegt werden, als durch die konzernhörige Politik unserer Zeit selbst.

Das Elend und die Roheit wachsen mit den Börsengewinnen.

Damit ist das ,,eigenverantwortliche Individuum“ und Wirtschaftssubjekt am Ende.

Ein neues Niveau der Solidarität steht auf der Tagesordnung.

Nur gesellschaftliche Regulierung, erhebliche Vermögens- und Gewinnbesteuerung, staatliche Investitionen in sinnvolle Arbeit, Bildung und Kultur, echte demokratische Beteiligung und damit auch Emanzipation aller von den menschengemachten Zwängen der Profitwirtschaft (inklusive der ,,Schuldenbremse“ und ,,Fiskalpakt“) schaffen Perspektive respektive eine ernsthafte Problemlösung.

,,Und die Leute werden uns schon verstehen, wenn wir ihnen sagen, daß sie in der Folge alle Tage Rindfleisch statt Kartoffeln essen sollen und weniger arbeiten und mehr tanzen werden. - Verlassen Sie sich darauf, die Menschen sind keine Esel. -“
Heinrich Heine an Heinrich Laube, Paris, den 10. Julius 1833.

Diese Einsicht bringen international mehr und mehr Menschen durch kollektives politisches Eingreifen praktisch auf den Begriff: Solidarität.

Eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft ist die gemeinsame Sache der 99%.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 9. Juli 2012, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1117.html